Im Interview gibt Antonio Morrone, Co-Inhaber der AMW Treuhand & Immobilien AG und verantwortlich für den Immobilienbereich, Tipps wie eine Stockwerkeigentümerversammlung effizient und erfolgreich für die Eigentümer:innen durchgeführt werden kann.
Wie bereitest du eine Stockwerkeigentümerversammlung in der Regel vor?
Normalerweise werden die aktuellen Themen und offenen Pendenzen im Vorfeld der Versammlung im Rahmen einer Sitzung mit den Delegierten bzw. Ausschussmitgliedern der Stockwerkeigentümergemeinschaft besprochen. Dabei werden die Traktanden vorbereitet, offene Fragen geklärt und das weitere Vorgehen festgelegt.
Worauf kommt es bei Einladung und Traktandenliste besonders an, damit die Versammlung effizient und geordnet ablaufen kann?
Wichtig ist, dass die Traktanden verständlich formuliert sind, damit sich die Eigentümer:innen bereits im Vorfeld ein Bild über die anstehenden Themen machen können. Je nach Geschäft empfiehlt es sich, eine kurze Erklärung beizulegen. Ebenso wichtig ist, dass relevante Unterlagen wie Offerten oder Vergleichszahlen zusammen mit der Einladung verschickt werden. So können sich die Eigentümer vorbereiten und die Diskussion an der Versammlung verläuft in der Regel effizienter.
Welche Herausforderungen erlebst du bei der Leitung solcher Sitzungen in der Praxis am häufigsten?
Bei gewissen Themen stelle ich fest, dass die Diskussionen schnell emotional werden können und eine sachliche Auseinandersetzung erschwert ist. In solchen Situationen ist es als Leitung wichtig, die Diskussion zu lenken und alle Beteiligten daran zu erinnern, respektvoll miteinander umzugehen. Wenn sich keine sachliche Diskussion mehr führen lässt, beenden wir diese und gehen zur Abstimmung über das traktandierte Geschäft über.
Gibt es typische Konflikte oder heikle Themen, die immer wieder auftreten? Wie gehst du damit um?
Konflikte entstehen häufig dann, wenn einzelne Eigentümer:innen Flächen oder Einrichtungen des Allgemeineigentums für sich beanspruchen. Ein klassisches Beispiel ist das Treppenhaus, das nicht mit privaten Gegenständen belegt werden darf. Werden solche Missstände angesprochen, hören wir oft Aussagen wie: «Solange sich niemand daran stört, ist das doch kein Problem.» oder «Wer hat sich denn bei der Verwaltung beschwert?». In solchen Fällen erkläre ich die rechtlichen Grundlagen und weise auf das Reglement der Gemeinschaft hin. Dabei versuche ich aufzuzeigen, dass die Verwaltung die Interessen der gesamten Gemeinschaft vertritt und nicht einzelner Eigentümer:innen.
Wie gelingt es dir, auch bei unterschiedlichen Meinungen sachlich, ruhig und lösungsorientiert durch die Sitzung zu führen?
Wenn eine Diskussion zu emotional wird, kann eine kurze Pause sehr hilfreich sein. Danach haben sich die Gemüter meist wieder beruhigt und die Gespräche können sachlicher weitergeführt werden. Als Versammlungsleiter ist es wichtig, neutral zu bleiben und die Diskussion immer wieder auf das eigentliche Thema zurückzuführen.
Welche Rolle spielen eine klare Versammlungsleitung und ein präzises Protokoll für die spätere Umsetzung der Entscheide?
Eine klare Versammlungsleitung sorgt dafür, dass die Traktanden strukturiert behandelt werden und sich die Diskussion auf das Wesentliche konzentriert. Das Protokoll sollte die Beschlüsse klar und nachvollziehbar festhalten. Eine präzise Protokollierung verhindert Missverständnisse und erleichtert die spätere Umsetzung der gefassten Beschlüsse.
Wie können sich Stockwerkeigentümerinnen und Stockwerkeigentümer am besten auf eine bevorstehende Versammlung vorbereiten?
Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass sich die Eigentümer:innen bereits vor der Versammlung mit den Unterlagen befassen. So können sie sich eine Meinung bilden und sich gezielt auf die einzelnen Traktanden vorbereiten. Offene Fragen oder Unklarheiten sollten nach Möglichkeit bereits im Vorfeld mit der Verwaltung geklärt werden. Dadurch bleibt an der Versammlung mehr Zeit für die eigentliche Diskussion und die Beschlussfassung.
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